Franz Christoph Schiermeyer

APHORISMEN & ANDERE ZÄRTLICHKEITEN

HOME

APHORISMEN

GEDICHTE

HAIKU

PROSA

BILDER

VARIA

LINKS

IMPRESSUM


 

EIN KLEINES KIND

 

Kindergedichte mit Zeichnungen
von Wolfgang Spree, Paperback,
64 Seiten, ISBN 9783752887686 ; 6,80 €

(Erstveröffentlichung 1992 im Eigendruck)

hier erhältlich

 


 

AUS DEM INHALT

 

Der Diener

Ein kleines Kind ist ein Geschenk --
das man nur machen sollte
an jemanden, der furchtlos vor
beständiger Revolte!

Denn was es sich von dir auch wünscht
und flehentlich ersehnt --
Es ist stets das, was es hernach
mit aller Macht ablehnt.

Das ist nicht etwa böse List
und Laune eines Windes:
Du musst nur wissen, dass du bist
der Diener deines Kindes!

*

Jeden Abend dasselbe

Ein kleines Kind wünscht gute Nacht
und schließt für kurz die Augen.
Dann ist es wieder aufgewacht
und will am Fläschchen saugen.

Es fehlt ihm auch sein Teddybär
und ein Schock Lieblingsbücher.
Und außerdem -- ich weiß nicht wer!
Und Mutters Trockentücher...

Energisch spricht man: "Jetzt ist Schluss!
Es ist schon weit nach sieben!
Und wenn ich noch mal kommen muss,
dann wird gleich aufgeblieben!" --

Schon fragt man sich, ob man vielleicht
zu streng in allen Dingen,
als sich zwei Ärmchen einschlafleicht
wie Samt um einen schlingen...

*

Vater weiß alles

Ein kleines Kind hat tausend Fragen,
auf die man keine Antwort weiß:

Ob Brillenschlangen auch schon tragen
Kontaktlinsen? Wie rund ein Kreis?
Was man, wenn man in Sturm geräte
auf einem Meer, als erstes täte?
Und: Wie man weiß, woher es zieht,
da man ja doch den Wind nicht sieht...

Man antwortet recht breit und lang,
betont den hohen Wert der Dichtung
und lenkt somit den Wissensdrang
geschickt in die gewünschte Richtung.

Dann lehnt man sich entspannt zurück
und hat für kurze Zeit das Glück,
dass voller Stolz die Kinder sagen:
"Den Vater kann man alles fragen!" -

Die Mutter nickt dazu im Kreis
der Lieben und seufzt tief: "Ich weiß!"

*

Die Puppe

Ein kleines Kind hat eine Puppe,
wenn es ein Mädchen ist.
Die füttert es mit Erbsensuppe
und was es sonst nicht mag -
Die Puppe aber isst.

Lässt sich auch gerne "Tinchen" heißen
und ohne alle Schmerzen
zur Not ein linkes Bein ausreißen
und gleich dann wieder herzen!

Wer tät das sonst!?

Ein Junge hat da große Sorgen:
Er muss erst eine Puppe borgen
und fürchtet, weil sie nur geliehen,
ein Bein, das fehlt, wird nicht verziehen...
Wer weiß - vielleicht ja doch!?

Die Puppe, ohne Bein und Kragen,
stellt - wenn! - erst später ihre Fragen:

Geht es dir gut?
Hast du mich lieb?
Vergiss mein nicht! -

Und: Weißt du noch?

*

Deine Brut

Ein kleines Kind ist nicht wie du,
es ähnelt dir nur sehr
an Stirne oder Nase...

Wärst du ein Feld- und Wiesenhase,
gliche es dir mehr!

Was soll's!? --

Mit Recht bist du so stolz
auf deine Kinder, deine Brut!
Und setzt sich eines deinen Hut,
den du nie trägst, keck auf die Ohren,
fühlst du wie neugeboren...

Und weißt bestimmt,
dass alles gut!

 

 

GEDICHTE

Ungereimtes in Versen

Ein kleines Kind

Baader, Schmock &
Immelmann

Verschwiegener Wunsch -
verwünschtes Schweigen

Sammelband Gedichte

Mail an F.C.Schiermeyer

© F. Christoph Schiermeyer | Wochenendgebiet 12 | 53578 Windhagen-Hallerbach